29.12.2017

Stammtisch Geschichten der Landshuter Gehörlosen Welt

 

Also es ist sehr interessant, dass es in Landshut sehr viele Jahre lang einen wöchentlichen Stammtisch gab, der seit Gründung des Ortsverbandes bestand und

welcher zumeist gut besucht war. Das wurde aus den Teilnehmern, welche zum größten Teil das Zeitliche segneten bestätigten.

Dass die Stammtischler einst mit dem Rad von Ohu nach Landshut fuhren oder von Schmatzhausen aus, ist für die heutigen Zeitgenossen sicherlich unvorstellbar.

Aber die damalige Zeit erforderte mehr personlichen Einsatz als die heutige mit der modernen Mobilität. Da ging man auch schon mal 10 Kilometer zu Fuß um am Stammtisch teilzunehmen wie der Berichtsverfasser einst  in seiner Heimat im Bayerischen Wald, bei Schnee und Kälte an Silvester.

Heute sind nur noch der Gerd Stieler und der Gottfried Paulus unter uns, aus der Zeit, wo sich eine gute gemeinsame Zusammengehörigkeitskultur entwickelte.

Als ich im Alter von 16 Jahren - also ein Kommunikationskind- meine Lehrstelle bei der Bezirksregierung von Niederbayern als Bauzeichner angetreten habe, war Landshut für mich, aus dem Bayerwald zugezogen ein fremdes Land.

Doch suchte ich alsbald Kontakte zur örtlichen Gehörlosen und fand sie auch bald.

Doch kurz darauf wurde ich aus der Gemeinschaft rausgeschmissen, 16 Jahre alt, als Spion bezeichnet. Dokumentiert im Gasthaus zur Schleusse in Landshut, Isargestade. Damals kostete ein Bier 90 Pfennige. Die Verursacher des Rausschmisses bereuten die Entscheidung wenige Tage später, weil es ihnen bewusst wurde, dass der Junge, welchen sie rausgeschmissen hatten, womöglich den Verein führen könnte. Dahin dauerte es aber 7 Jahre lang und das auch erst mit vielen bitten und beten,

Als dann Gottfried Paulus seine Zusage gab sich zu engagieren, ging es mit den Gehörlosen Ortsverband bergauf. Gottfried Paulus sorgte mit dafür dass die Gehörlosen in der Öffentlichkeit verstärkt präsent wurden. Bei Faschingsbällen gab es große Berichte in der Tagespresse wo auch die Gehörlosen genannt wurden, z. B. Ein Penner kam zu Fuß aus Passau" oder "Das gibts nur einmal, das kommt nicht wieder". Bei den Weihnachtsfeiern wo Vertreter der Stadt Landshut, dem Landratsamt und dem Versorgungsamt anwesend waren konnten Fehlbescheide angesprochen und korrigiert werden. Zahlreiche Veranstaltungen organisierte der damalige Vorsitzende Gottfried Paulus für seine Schicksalsgenossen, so dass der Verein ein gutes Ansehen erwerben konnte.

Von den Stammtischen ist nachdem Rücktritt des Gottfried Paulus im Jahr 2007 nun nichts mehr übrig. Keiner aus der aktuellen Vorstandschaft fühlt sich verpflichtet etwas zu unternehmen. Dass an Silvester, einsame Gehörlose einen Unterhaltungstreff wünschen- der Vorstandschaft ist das nicht bewusst. Schade natürlich. Aber es ist wohl so, dass die einst so gute Gemeinschaft der Gehörlosen durch die digitale Welt zerbröselt wird.

 

Schade drum, oder?

 

Gottfried Paulus

 

vielleicht erzähle ich weitere Geschichten!

 

Quelle: Landshuter Zeitung 21.12.2017
Quelle: Landshuter Zeitung 21.12.2017
Quelle: Landshuter Zeitung 19.12.2017
Quelle: Landshuter Zeitung 19.12.2017
Quelle: Landshuter Zeitung 19.12.2017
Quelle: Landshuter Zeitung 19.12.2017