23.08.2016

8. Radsport-Europameisterschaften der Gehörlosen in Brügge und Eeklo in Belgien

 

Gold, und Silber für Isabelle-Sophie Boberg vom GSV Landshut

 

Nach Verona /Italien (2008), und Togliatti/Russland (2012) standen Brügge und Eeklo in Belgien im Blickpunkt der 8.Radsport-Europameisterschaften der Gehörlosen welche vom 14. Bis 20.August durchgeführt wurden.

 

In Brügge fanden  die ersten beiden Wettbewerbe und die Eröffnungsfeier statt und Im 35 km entfernten Eeklo die beiden Strassenwettbewerbe und die Abschlussfeier. Die Veranstaltung war bestens organisiert und die Wettbewerbe wurden professionell abgewickelt, was bei dem Radsportland Belgien nicht anders zu erwarten war.

 

Nach der Eröffnungszeremonie im Partic Sercu Velodrom, wo EDSO-Generalsekretär Juha Matti Aaltonen die EM in Anwesenheit einiger Honorationen und auch dem Namensgeber des Velodroms, den Olympiasieger und Sechstagekaiser Patric Sercu eröffnete. Fand dann der erste Wettbewerb, der Sprint statt. Hier zeigte das deutsche Team mit Isabelle-Sophie Boberg (GSV Landshut), Bianca Metz (GSV Bodensee), Peter Hiltl (GSV München), Jan Wittkowski (GSV Chemnitz), Carsten Porschke (Berliner GSV) und Gerald Mielke-Weyel (GSV Landshut) wie auch im Punktefahren am nächsten Tag eine hervorragende Leistung und hatte am Ende Gold und Silber bei den Frauen und Platz 4 bei den Männern.

 

Nach der Zeitqualifikation, wo jeder Teilnehmer alleine 3 Runden zu fahren hatte und für die letzten 200 Meter die Zeiten genommen wurden, ging es dann ins Ko-System, der Verlierer nach einem Match ausschied. Ab dem Viertelfinale entschieden 2 oder 3 Läufe für das Weiterkommen.

 

In der Zeitqualifikation fuhren Bianca Metz und Isabelle-Sophie Boberg bei den Frauen die schnellsten Zeiten und bei den Männern war dies Jan Wittkowski.

 

In den folgenden Ko-Sprints liesen Bianca und Isabelle nichts anbrennen und setzten sich erfolgreich durch, so dass es am Ende zu einem rein deutschen Finale kam. Im entscheidenden dritten Lauf hatte Bianca Metz um wenige Zentimeter die Nase vorn und gewann Gold, vor Isabelle. Bei den Männern belegte Jan Wittkowski Platz 4. Eine mögliche Medaille vergab der Leipziger durch eine unachtsamkeit, so  dass er im entscheidenden Lauf um Bronze äusserst knapp den Slovaken Adrian Babic unterlag.

 

Im zweiten Wettbewerb, dem Punktefahren, wieder auf der Patric-Sercu Bahn dominierten Isabelle und Bianca das Geschehen. Isabelle sicherte sich Gold mit 33 Punkten vor Bianca mit 24 Punkten sowie der Russin Daria Remzova mit 21 Punkten. Überschattet wurde der Wettbewerb von einem schweren Sturz 17 Runden vor Schluss, als die Ukrainerin Yelisa Topchaniuk das Hinterrad von Bianca touchierte und mit dem Kopf voran schwer auf die Piste knallte und einige Minuten bewustlos liegen blieb. Das Rennen wurde für etwa 20 Minuten neutralisiert.

 

Bei den Männern konnte sich nur Peter Hiltl gut behaupten.  Er sicherte sich in der 8 Wertung 3 Punkte und landete am Ende auf Platz 9. Die 3 restlichen deutschen Männer wurden wegen Rundenrückständen aus dem Rennen genommen.

 

Nach diesen beiden Wettbewerben erfolgte der Umzug nach Eeklo, wo das Zeitfahren und das Straßenrennen durchgeführt wurden. Für die Teilnehmer war es sicher ein besonderes Erlebnis, dass sie beim Zeitfahren professionelle Verhältnisse bekamen, wie man es im Fernsehen zu sehen bekommt. Ein Motorrad als Vorausfahrzeug, dahinter ein Begleitfahrzeug um bei evt. Defekten behilflich sein zu können. Dies gab es bisher nur bei der 2.EM in Manresa/Spanien im Jahr 1992, bei den folgenden EM jedoch nicht.

 

Bei den Frauen musste Isabelle bereits als zweite von der Startrampe rollen. Sie legte dann gleich eine Richtzeit vor, welche lange Bestand hatte. Aber dann fuhren die russischen Fahrerinnen Xsenia Kalbina und Alisa Bondareva schnellere Zeiten. Und Bianca Metz, Isabelles Teamkameradin verhinderte mit ihrer Bestzeit als vorletzte Starterin eine weitere Medaille für Isabelle. Bianca sicherte sich mit 25 Sekunden Vorsprung  vor Alisa Bondareva und Xsenia Kalbina ihre zweite Goldmedaille dieser Europameisterschaft. Isabelle belegte am Ende Platz 4.

 

Bei den Männern gewann Dimitry Rozanov (Russland) ebenso seine 2.Goldmedaille. Er gewann mit satten 2.06 Minuten Vorsprung vor seinem Teamkameraden Ivan Makarov und dem Belgier Jean Pierre Fauconnier, welcher als Lokalmatador für viel Begeisterung bei den vielen belgieschen Zuschauern auslöste. Bester deutscher Fahrer war hier erneut Peter Hiltl, welcher lange Zeit auf Platz 3 liegend von einer Medaille träumen konnte, aber am Ende auf einem hervorragendem 6.Platz zu finden war.

 

Da neben der Europameisterschaft auch erstmals ein Europacup für die Masters (ab 41 Jahre) durchgeführt wurde, nahmen hier auch 4 deutsche Fahrer teil, darunter Gerald Mielke-Weyel vom GSV Landshut, welcher in seiner aktiven Zeit bei den Zeitfahren etliche Medaillen bei den Europameisterschaften und den Deaflimpics einsammelte, so auch in Rom wo er auf einer 25 km Strecke mit 2:12 Minuten Vorsorung Gold gewann. Nach längerer Rennpause reichte es immerhin zu einem anständigen 7.Platz. Zwei Plätze davor belegte Carl-Heinz Sänger Platz 5. Denn Wettbewerb gewann Marc Stouten aus Holland, welcher die 20 km Strecke in 27:32 Minuten absolvierte.

 

Zuschauen statt Medaillengewinn

 

Abschluss dieser Europameisterschaft waren die Straßenrennen, wo es für die Frauen auf einem 10 km Rundkurs über 6 Runden (60 km) und für die Männer über 12 Runden (120 km) ging und wo die deutschen Fahrer nur als Zuschauer glänzten.

 

Der völlig flache Kurs wies eine 1200 Meter lange Kopfsteinpflasterpassage auf und wurde durch harten Wind erschwert. Bei den Frauen gewann Alisa Bondareva nach 1:35 std vor Yelisa Topchaniuk (Ukraine), welche beim Punktefahren schwer stürzte.

 

Bei den Männern sicherte sich Steve Touboul nach der Goldmedaille im Sprint seine zweite Goldmedaille. Der Franzose gewann nach einem schnellem Rennen in 3:08 std  für die 120 km im Spurt einer vierköpfigen Spitzengruppe welche sich in der 7 von 12 Runden entscheidend aus dem Hauptfeld absetzen konnte vor den beiden Russen Evgeni Prokorov und Dimitry Rozanov sowie dem Slowaken Adrian Babic.

 

Und die Deutschen Fahrer?

 

Nun ja, die standen gar  nicht am Start. Als Grund wurde angegeben, dass die Rundstrecke zu gefährlich sei und so. Dies sorgte beim Veranstalter und Organisator für massive Verstimmung  und Unverständnis bei den anderen Teams. So etwas dürfte wohl ein Novum im Gehörlosen-Weltsport sein. Wenn den deutschen Fahrern die Strecke zu gefährlich gewesen ist, hätten sie zumindest am Start stehen sollen und dann das Rennen kurz darauf verlassen können. Das Verhalten ist ein schwer zu entschuldigender Affront gegenüber den Ausrichter.

 

Es ist allerdings anzunehmen, dass der eine oder andere deutsche Fahrer gerne am diesem prestigeträchtigen Rennen teilgenommen hätte und nun der Gelegenheit nachtrauert an diesem prestigeträchtigem Rennen, welches einen Hauch des Radsport-Klassikers "Paris-Roubaix" vermittelte nicht teilgenommen hat.

 

Dass  der EDSO (Europäischer Gehörlosen Sportverband) die Nichtteilnahme mit einer Geldstrafe sanktionierte soll hier nicht verschwiegen werden.

 

Aber alles in allem war es eine hervorragend organisierte Veranstaltung welche als Richtschnur für die nachfolgenden EM gelten. Die nächste Radsport EM im Jahr 2020 findet vielleicht in Madrid/Spanien  statt, wo man ebenfalls mit einer guten Organisation rechnen kann, zumal die EM im Jahr 1992 bereits in Manresa/Spanien stattfand, wo allerdings keine Radrennbahn vorhanden war, so dass der Sprint auf einem Straßenkurs durchgeführt wurde.

 

Also unserer Isabelle und auch der Bianca herzlichen Glückwunsch zu Gold und Silber.

Wir sind stolz auf Euch.

 

Gottfried Paulus

Gehörlosen SV Landshut 1989 e.V.

Vorsitzender

 

Siehe auch www.dg-sv.de

und www.edso.eu

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http://dg-sv.de/newspage.php?newsid=1724&styles=standard

http://dg-sv.de/newspage.php?newsid=1725&styles=standard